Meta will beim KI-Ausbau nicht mehr nur auf Nvidia setzen – und AMD bekommt dafür einen Auftrag, der nach ganz großem Kino klingt: bis zu 60 Milliarden Dollar. Der Preis dafür hat es aber in sich: Meta sichert sich gleich noch die Option, bis zu 10% an AMD zu bekommen.
Nach Reuters hat AMD zugestimmt, Meta über fünf Jahre hinweg KI-Chips in diesem Umfang zu liefern. An der Börse wurde das erst mal gefeiert: AMD sprang im frühen Handel um mehr als 6%, während Nvidia rund 1% nachgab – ausgerechnet kurz vor den Nvidia-Zahlen am Mittwoch.
Deal mit Haken: Meta bekommt einen Fuß in die Tür
Das Ganze ist nicht einfach „Chips gegen Cash“. AMD stellt Meta zusätzlich einen Warrant über 160 Millionen Aktien aus – quasi eine Kaufoption auf AMD-Aktien – mit einem Ausübungspreis von einem Cent. Der Warrant wird über die Vertragslaufzeit schrittweise fällig, aber nur, wenn Bedingungen erfüllt sind.
Die Tranchen hängen unter anderem an steigenden Kurszielen bis 600 Dollar – plus weitere technische und kommerzielle Vorgaben, die Meta je Tranche liefern muss. Klingt nach feiner Juristerei, ist aber im Kern simpel: Meta will nicht nur Ware, Meta will Kontrolle über den Nachschub – und AMD stimmt zu, weil der Auftrag gewaltig ist. Ein Analyst bringt es spitz auf den Punkt: Meta sichere sich Lieferkapazität und diversifiziere weg vom Ein-Vendor-Risiko, aber dass AMD dafür eine mögliche 10%-Beteiligung einräumt, könne auch nach zu wenig organischer Nachfrage riechen.
Sechs Gigawatt: Das ist kein Spielzeug mehr
AMD soll Meta insgesamt sechs Gigawatt an Chip-Leistung liefern. Los geht es mit einem Gigawatt der kommenden MI450-Flaggschiff-Hardware in der zweiten Jahreshälfte dieses Jahres. Zur Größenordnung: Ein Gigawatt reicht grob, um rund 750.000 Haushalte im Schnitt mit Strom zu versorgen. So viel „Rechenpower“ lässt sich nicht mal eben nebenbei bestellen – das ist eine ganze Industrieanlage in Silizium.
Die MI450 ist dabei auf Inference getrimmt. Das ist der Teil, den viele Nicht-Techies gern verwechseln: Training ist, wenn ein Modell „lernt“. Inference ist, wenn das Modell später antwortet, also wenn ein Chatbot wie ChatGPT auf Nutzerfragen reagiert. Und genau dieser Betrieb verschlingt in der Masse brutal viel Hardware.
Meta kauft nicht nur KI-GPUs – auch CPUs, sogar maßgeschneidert
Meta will nicht nur AMDs KI-Grafikchips, sondern auch Zentralprozessoren kaufen – inklusive einer Variante, die für Meta angepasst wird. Ziel: möglichst viel Leistung bei möglichst wenig Stromverbrauch. Außerdem umfasst der Deal zwei CPU-Generationen.
AMDs Chefin Lisa Su sagt, Zuckerberg sei sehr, sehr ambitioniert, und AMD wolle jeden Aspekt seiner Technologie nutzen, um Meta dabei zu helfen. Meta habe sogar zur MI450-Auslegung beigetragen – optimiert für Inference. Konkurrenzseite: Nvidias nächste Plattform Vera Rubin.
Der Markt wird nervös – wegen Geld, Abhängigkeit und „Circular Deals“
Das Ganze passt in einen Trend, der Investoren Bauchschmerzen machen kann: sogenannte „circular deals“. Gemeint ist, dass große KI-Spieler zu Anteilseignern wichtiger Zulieferer werden – während Zulieferer wiederum Investments bei Kunden prüfen. Das macht die Branche enger, aber auch schwerer zu durchschauen. Ein weiterer Marktbeobachter warnt, die Rückkehr solcher Konstruktionen gebe Anlegern noch etwas mehr, worüber sie sich Sorgen machen können.
Dazu kommt die Kostenkeule: Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta dürften dieses Jahr zusammen mindestens 630 Milliarden Dollar investieren – der Löwenanteil in Rechenzentren und KI-Chips. Das ist der Punkt, an dem selbst Tech-Fans kurz schlucken: Die Rechnung geht nur auf, wenn irgendwann auch spürbar Geld zurückkommt.
Meta streut weiter – Nvidia bleibt drin, Broadcom wackelt, Google im Gespräch
Meta hatte separat bereits einen Deal mit Nvidia, um Millionen KI-Chips zu kaufen. Und Meta sagt auch jetzt: Es werde weiterhin bei anderen Anbietern einkaufen und parallel eigene Prozessoren entwickeln. Der Grund ist banal: Wer Rechenzentren in dieser Größenordnung baut, kann sich keine Monokultur leisten – sonst hängt der ganze KI-Plan an einem einzigen Lieferanten.
Nebenbei rutschte Broadcom um rund 2% ab. Broadcom gilt als wichtiger Zulieferer für kundenspezifische Chips; die Firma nennt ihre Hyperscaler-Kunden aber nicht. Außerdem war Meta demnach auch mit Google im Gespräch über die Nutzung von dessen Tensor-Prozessoren für KI.
Am Ende bleibt die entscheidende Frage: Ist dieser Mega-Deal der Startschuss dafür, dass AMD im Inference-Geschäft wirklich neben Nvidia am Tisch sitzt – oder ist das am Ende vor allem Metas Versicherungspolice, damit die KI-Ambitionen nicht an einem simplen Problem scheitern: zu wenigen Chips.

