Wer beim Thema Satelliten-Internet bislang automatisch an Elon Musk dachte, bekommt nun ernsthafte Konkurrenz aus Seattle. Amazon hat 32 eigene Satelliten ins All geschossen – und zeigt damit ziemlich deutlich, dass der Konzern den Markt nicht länger nur beobachtet, sondern angreifen will.
Der Start mit der europäischen Trägerrakete Ariane 6 markiert dabei mehr als nur einen technischen Erfolg. Amazon macht Tempo. Schon in wenigen Monaten soll der Internetdienst in fünf Ländern verfügbar sein, Deutschland gehört dazu. Wer das als ferne Zukunft abtut, dürfte sich täuschen – der Aufbau läuft längst auf Hochtouren.
Rakete hebt ab – und mit ihr Amazons Milliardenplan
Am Donnerstag brachte die Ariane 6 die 32 Satelliten erfolgreich in eine Umlaufbahn von rund 600 Kilometern. Das klingt trocken, ist aber entscheidend: In dieser Höhe kreisen die Satelliten schnell genug um die Erde, um stabile Internetverbindungen zu ermöglichen – und nah genug, um Verzögerungen beim Datentransfer gering zu halten. Übersetzt: Das Netz aus dem All soll sich später möglichst flott und störungsarm anfühlen.
Bemerkenswert ist auch die eingesetzte Raketenvariante. Die Ariane 6 flog erstmals mit besonders starkem Antrieb und kann bis zu 20 Tonnen Nutzlast transportieren. Für Amazon ist das ein echter Vorteil. Je mehr Satelliten pro Start ins All gelangen, desto schneller wächst das Netzwerk – und desto eher lassen sich Kosten im Zaum halten.
17 Starts geplant – das Ziel ist ein globales Netz
Der aktuelle Flug war erst der Auftakt. Insgesamt 17 Ariane-Starts hat Amazon gebucht, um seine Satellitenflotte auszubauen. Damit avanciert der US-Konzern gleichzeitig zu einem wichtigen Kunden für die europäische Raumfahrtindustrie. Das ist strategisch interessant: Während Europa nach Wegen sucht, unabhängiger von US-Technologie zu werden, setzt ein amerikanischer Tech-Gigant nun ausgerechnet auf europäische Raketen.
Unter dem Namen Amazon Leo plant der Konzern ein gigantisches Satellitennetz mit rund 7700 Einheiten. Gedacht ist der Dienst für Privatkunden, Firmen und Behörden weltweit. Mehr als 200 Satelliten befinden sich bereits im All – der jüngste Start schiebt das Projekt also deutlich voran.
Der Markteintritt rückt näher
Amazon signalisiert, dass die Testphase bald endet. Lisa Scalpone, Leiterin des Kundengeschäfts, sprach vor dem Start davon, dass der Konzern kurz vor dem Markteintritt stehe. Das ist ein klares Signal: Amazon will nicht nur Technologie zeigen, sondern zahlende Kunden gewinnen.
Spannend bleibt, wie stark sich der Wettbewerb im Satelliten-Internet zuspitzt. Einerseits wächst der Bedarf an schnellen Verbindungen, vor allem in ländlichen Regionen oder schlecht versorgten Gebieten. Andererseits ist der Aufbau solcher Netze extrem teuer und technisch anspruchsvoll. Es spricht vieles dafür, dass sich am Ende nur wenige Anbieter durchsetzen werden.
Ob Amazons Vorstoß zum echten Gegengewicht für bestehende Angebote wird, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen. Jetzt muss der Konzern liefern – Satelliten allein bringen noch kein stabiles Internet auf die Erde.

