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16. März 2026

Amazon greift Nvidia frontal an – und setzt dabei auf einen ungewöhnlichen Partner

AWS
Foto: Depositphotos.com / MichaelVi

Im KI-Geschäft gewinnt nicht automatisch der mit dem größten Chip, sondern derjenige, der Antworten schneller und billiger ausliefert. Genau da setzen Amazon und Cerebras jetzt an. Beide Unternehmen wollen ihre Technik in einem neuen AWS-Angebot zusammenwerfen, um Chatbots, Coding-Tools und andere KI-Dienste bei der Inferenz flotter zu machen – also in dem Moment, in dem ein trainiertes Modell tatsächlich auf Nutzeranfragen antwortet.

Das ist keine Nebensache für Technik-Nerds, sondern ein handfester Angriff auf Nvidia. Cerebras will seit Jahren mit einer völlig anderen Chip-Architektur gegen den Marktführer anrennen. Der Konzern ist laut Reuters mit 23,1 Milliarden Dollar bewertet und verzichtet bei seinen Spitzenchips auf den Einsatz des teuren High-Bandwidth-Memorys, auf das Nvidia stark setzt. Anders gesagt: Cerebras versucht, den KI-Markt nicht mit demselben Werkzeug zu knacken, sondern mit einem anderen Bauplan.

Für Amazon passt das ins Bild. AWS stellt die Rechenzentren, dazu kommen die eigenen Trainium3-Chips und eine spezielle Netzwerktechnik. Die Aufgaben werden sauber getrennt: Trainium3 übernimmt den „Prefill“-Teil, also grob gesagt die Übersetzung der menschlichen Anfrage in die Token-Sprache der KI. Cerebras kümmert sich dann um das „Decode“, also um den Teil, bei dem die eigentliche Antwort herausfällt. Klingt sperrig, ist im Kern aber simpel: Einer macht die Vorarbeit, der andere spuckt das Ergebnis aus.

Zwei Spezialisten statt ein Universalwerkzeug

Genau diese Arbeitsteilung ist der spannende Punkt. Der Markt bewegt sich immer stärker weg von der reinen Frage, wer am meisten rohe Rechenpower auf die Straße bringt. Es geht zunehmend darum, wer KI im Alltag effizient betreibt. Chatbots, Assistenten und Coding-Helfer müssen nicht nur klug sein, sondern auch schnell reagieren und dabei möglichst wenig kosten. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Wer diesen Teil beherrscht, hat im nächsten Kapitel des KI-Booms einen echten Hebel.

Cerebras bekommt mit dem Deal vor allem eines: Zugang zur AWS-Kundschaft. Firmenchef Andrew Feldman brachte das gegenüber Reuters ziemlich klar auf den Punkt: Über AWS werde der Zugang zu Cerebras so einfach wie ein Klick. Für ein Unternehmen, das Nvidia Marktanteile abjagen will, ist das Gold wert. Denn gute Technik allein reicht nicht. Sie muss auch dort landen, wo Entwickler, Start-ups, Banken und große Konzerne ohnehin schon einkaufen.

Amazon schielt auf den Preisvorteil

Zum Volumen der Vereinbarung sagen beide Seiten nichts. Aber Amazon macht kein Geheimnis daraus, worauf der Konzern hinauswill. Das Angebot soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 online gehen, und AWS stellt bereits einen Vorteil beim Preis-Leistungs-Verhältnis in Aussicht. Das ist bemerkenswert, weil sich der Wettbewerb im KI-Markt längst nicht mehr nur über Prestige definiert. Wer günstiger rechnen kann, hat ein verdammt gutes Verkaufsargument in der Hand.

Brisant wird die Sache auch deshalb, weil der Schritt in eine Phase fällt, in der Nvidia selbst offenbar an einer ähnlichen Strategie arbeitet. Analysten erwarten, dass Nvidia schon bald zeigt, wie sich eigene GPUs mit der Technik von Groq kombinieren lassen. Amazon zieht mit seinem Vorstoß also nicht irgendwo am Rand vorbei, sondern direkt auf derselben Straße. Einerseits spricht vieles dafür, dass solche Hybridmodelle Schule machen. Andererseits muss Amazon erst noch beweisen, dass daraus mehr wird als ein clever klingendes Konzept. Die entscheidende Frage lautet nun: Greifen Kunden am Ende tatsächlich zu – oder bleibt Nvidia trotz aller Gegenangriffe weiter der Platzhirsch?