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5. Februar 2026

Alphabet schockt mit KI-Ausgaben: 185 Milliarden Dollar – und der Kurs kippt

Alphabet
Foto: Depositphotos.com / rafapress

Die Quartalszahlen glänzen – doch an der Börse zählt gerade vor allem, wer die dicksten Rechnungen schreibt. Alphabet-Chef Sundar Pichai hat den Investoren am Mittwoch genau so eine Rechnung hingelegt: 175 bis 185 Milliarden Dollar Investitionsausgaben (Capex) für 2026. Capex, das ist schlicht das Geld für neue Chips, Server, Rechenzentren – also die Hardware, ohne die KI heute nicht läuft. Nachbörslich ging der Kurs prompt um bis zu drei Prozent runter.

Der Haken: Das wäre mehr als doppelt so viel wie 2025 – und deutlich mehr, als große Rivalen wie Microsoft ausgeben wollen. Der Grund ist klar: Im KI-Rennen gewinnt nicht der, der am schönsten redet, sondern der, der genug Rechenpower hinstellt.

Zahlen top, Stimmung trotzdem mies

Dabei liefert Alphabet eigentlich die Sorte Bericht ab, die Anleger sonst feiern. Im jüngsten Quartal stieg der Umsatz um 18 Prozent auf 113,8 Milliarden Dollar, der Nettogewinn legte um fast 30 Prozent auf 34,5 Milliarden Dollar zu. Analysten lagen daneben – Alphabet drüber. Und Pichai betonte noch eine Marke fürs Schaufenster: Auf Jahressicht lag der Umsatz erstmals über 400 Milliarden Dollar.

Nur: Genau in dem Moment, in dem alles nach Rückenwind aussieht, dreht der Markt den Daumen nach unten – weil er bei KI-Ausgaben inzwischen allergisch reagiert. Wer zu tief in die Tasche greift, bekommt erst mal einen Kursklatscher, selbst mit starken Zahlen im Gepäck.

Rechenzentren statt Sparmodus

Die neue Investitionslust ist ein Kurswechsel. Google war trotz hoher Ausgaben bisher eher der Typ „kontrolliert teuer“, nicht „Vollgas, koste es, was es wolle“. Finanzchefin Anat Ashkenazi macht nun klar, warum der Konzern den Geldhahn weiter aufdreht: mehr Rechenkapazität für Google Deepmind und genug Power, um die „signifikante Nachfrage“ im Cloud-Geschäft zu bedienen.

Interessant ist ein zusätzlicher Treiber: Apple soll seine überarbeitete Siri künftig mit KI-Diensten von Google betreiben. Wenn so ein Kunde wirklich ernst macht, dann reicht „läuft schon irgendwie“ nicht mehr – dann müssen Kapazitäten her, und zwar schnell.

KI-Hype trifft harte Realität

Mit Pichais Ansage dürfte die Blasen-Debatte wieder lauter werden. Viele Investoren sehen das Missverhältnis: Die Kosten für Infrastruktur explodieren, die großen, stabilen Ertragsströme sind aber noch nicht überall sichtbar. Und als wäre das nicht genug, sorgt die enorme Nachfrage der Tech-Konzerne für eine Art Sonderinflation – bei Chips, Stromgeneratoren und allem, was man braucht, um Rechenzentren ans Netz zu hängen.

Alphabet steht damit nicht allein. Auch Microsoft hatte zuletzt steigende Ausgaben angekündigt – und wurde an den Märkten dafür ebenfalls abgestraft. Amazon legt am Donnerstagnachmittag neue Zahlen vor, und dort wird man sehr genau hinschauen, wie teuer der KI-Kurs bei AWS inzwischen wird.

Suche bleibt stabil, Werbung zahlt weiter

Im Kerngeschäft, der Internetsuche, ist die große Angst vor der Chatbot-Abwanderung bislang nicht das, was die Bilanz bestimmt. Klar: Angebote wie ChatGPT verändern, wie vor allem junge Nutzer Informationen suchen – weniger „zehn Links“, mehr „eine Antwort“. Das ist ein echter Angriffspunkt auf Google Search.

Aber die Werbekunden scheinen noch nicht wegzurennen. Googles Werbeumsatz stieg um 13,5 Prozent auf 82,28 Milliarden Dollar. Pichai argumentiert: Neue KI-Funktionen in der Suche ermöglichen komplexere Anfragen – und die sind für Werbetreibende wertvoller, also potenziell teurer zu verkaufen. Übersetzt: Wenn Nutzer anspruchsvoller suchen, kann Google dafür auch höhere Anzeigenpreise durchsetzen.

Gemini wird groß, aber billig muss es auch werden

Die KI-Plattform Gemini kommt mittlerweile auf mehr als 750 Millionen monatlich aktive Nutzer. Das ist eine Hausnummer – nur sagt sie noch nicht automatisch etwas darüber, wie viel Geld am Ende hängen bleibt. Deshalb ist die zweite Zahl fast wichtiger: Pichai zufolge sanken die Kosten für einzelne Gemini-Anfragen im Jahresverlauf um 78 Prozent. Heißt: Die gleiche KI-Antwort wird deutlich günstiger gerechnet. Bei Hunderten Millionen Nutzern ist das nicht Kosmetik, sondern überlebenswichtig.

Denn genau hier frisst KI Geld wie ein Loch im Eimer: Jede Anfrage braucht Rechenleistung. Wenn die Kosten pro Anfrage nicht runtergehen, wird selbst ein großes Produkt schnell zum teuren Hobby.

Cloud drückt aufs Tempo

Am auffälligsten war das Wachstum in der Cloud-Sparte. Der Umsatz stieg um fast 48 Prozent auf 17,66 Milliarden Dollar. Und der Auftragsbestand – also vereinfacht gesagt das, was Kunden bereits zugesagt haben, aber noch nicht komplett als Umsatz in der Kasse steht – sprang auf 240 Milliarden Dollar und hat sich im Jahresvergleich mehr als verdoppelt.

Ein Analyst von D.A. Davidson brachte es auf den Punkt: „Deutlich mehr als erwartet“ – und vor allem bemerkenswert, weil Google Cloud damit stärker wuchs als Microsoft Azure, das „nur“ um 39 Prozent zulegte. Für den Wettbewerb ist das ein Signal: Alphabet will nicht nur KI bauen, sondern sie in der Cloud auch verkaufen – und zwar groß.

Youtube stolpert, Nebenwette Waymo bleibt teuer

Nicht alles lief rund. Bei Youtube verfehlten die Werbeeinnahmen mit 11,38 Milliarden Dollar knapp die Erwartungen. Das Management verweist auf einen simplen Grund: Der Schub durch die hohen politischen Werbeausgaben aus dem US-Wahlkampf des Vorjahres fällt weg. Wenn die politische Werbung ausbleibt, sieht selbst ein großer Werbekanal plötzlich weniger spektakulär aus.

Und dann sind da noch die „Other Bets“ – Alphabets Sammelbecken für Zukunftsprojekte. Der Verlust weitete sich auf 3,61 Milliarden Dollar aus, eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr. Ein wesentlicher Brocken: eine aktienbasierte Vergütungsaufwendung von 2,1 Milliarden Dollar. Klingt trocken, bedeutet aber praktisch: Man bezahlt Leute und Programme teils mit Aktienpaketen – das kostet in der Rechnung richtig Geld.

Operativ liefert Waymo immerhin Argumente, warum Alphabet weiter dranbleibt. Der Robotaxidienst absolvierte 2025 rund 15 Millionen Fahrten und expandierte zuletzt nach Miami. Außerdem sammelte Waymo am Montag bei Investoren 16 Milliarden Dollar für schnellere Expansion ein – Alphabet als Mehrheitseigner steuert dabei den größten Teil bei. Die Bewertung stieg auf 126 Milliarden Dollar.

Ob das alles aufgeht, entscheidet sich nicht an Nutzerzahlen oder schönen Visionen, sondern daran, ob Alphabet aus dem KI- und Cloud-Boom zuverlässig Cash macht – bevor die Börse die Geduld verliert und aus „Investition“ wieder „Kostenproblem“ wird.