Santander will in den USA nicht länger „auch dabei“ sein – die Bank will hoch hinaus. Für 12,2 Milliarden Dollar schnappt sich die spanische Großbank die Regionalbank Webster Financial und zielt damit auf einen Platz unter den zehn größten Geschäftsbanken der USA nach Bilanzsumme. Das ist kein hübsches Beiwerk, das ist ein Griff nach mehr Gewicht im wichtigsten Bankenmarkt der Welt.
Ein Deal mit klarer Kante
Verwaltungsratschefin Ana Botín verkauft den Kauf als strategischen Schritt, der gleich mehrere Probleme auf einmal kleiner machen soll: mehr Marktstellung, mehr Profitabilität und niedrigere Finanzierungskosten. Übersetzt: Santander will größer werden, besser verdienen – und sich Geld am Kapitalmarkt billiger besorgen. Das klingt nach Lehrbuch, ist aber in der Praxis harte Arbeit. Denn wer eine Bank schluckt, kauft nicht nur Filialen und Kunden, sondern auch Prozesse, IT, Risiken und jede Menge Integrationsstress.
Die Webster-Aktionäre sollen Aktien plus Barzahlung bekommen. Der Abschluss wird für die zweite Jahreshälfte erwartet. Bis dahin gilt: Papier ist geduldig, die Umsetzung nicht.
USA: längst im Geschäft – jetzt soll’s zählen
Santander ist in den USA nicht erst seit gestern unterwegs. Seit dem Kauf der Sovereign Bank 2005 ist die Bank auf dem Markt aktiv, außerdem gehört sie dort bereits zu den großen Autofinanzierern. Heißt: Santander kennt das Spielfeld. Aber genau das macht den Schritt jetzt so brisant: Wer schon drin ist und trotzdem so viel Geld auf den Tisch legt, will nicht nur „ausbauen“, sondern in einer höheren Liga spielen.
Und natürlich stellt sich die Frage, die Anleger als Erstes umtreibt: Wird das ein sauberer Zukauf mit klaren Synergien – oder ein teures Projekt, das länger zieht als geplant und mehr kostet als gedacht?
Aktionäre sollen trotzdem kassieren
Botín versucht genau hier den Druck rauszunehmen. Sie betont, die Übernahme stehe den Plänen zur Vergütung der Anteilseigner nicht im Weg. Das ist mehr als ein netter Satz, das ist ein Signal: Santander will wachsen, aber die Investoren nicht vergraulen.
Passend dazu genehmigte die Bank einen Aktienrückkauf über fünf Milliarden Euro. Für Laien: Dabei kauft das Unternehmen eigene Aktien am Markt zurück. Das verringert die Anzahl der Aktien – und kann den Kurs stützen, weil das Angebot kleiner wird.
Zahlen als Rückenwind – aber kein Freibrief
Zeitlich fällt der Deal in eine Phase, in der Santander mit guten Zahlen argumentieren kann. Der Nettogewinn stieg 2025 um zwölf Prozent auf 14,1 Milliarden Euro – und lag damit über den Prognosen der Experten. Das gibt Selbstvertrauen und erklärt, warum Santander gerade jetzt offensiv auf Einkaufstour geht.
Trotzdem: Groß kaufen ist das eine, sauber liefern das andere. Entscheidend wird, ob Santander die versprochenen Effekte wirklich hinbekommt – mehr Ertrag, bessere Marktposition, günstigere Refinanzierung. Die zweite Jahreshälfte wird nicht nur wegen des Closing-Termins spannend, sondern weil dann klarer wird, ob das Ganze ein kluger Schachzug war – oder ein teurer Kraftakt.

