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26. Januar 2026

Airbus oder Rheinmetall: Dieses Satellitenprojekt entscheidet über Deutschlands Militärfunk

Rheinmetall
Foto: depositphotos.com / MP_foto71

Wer bei der Bundeswehr künftig funken will, könnte am Ende bei Rheinmetall landen – wenn der Konzern Airbus bei einem der dicksten Weltraum-Aufträge der Republik aussticht. Rheinmetall will zusammen mit dem Bremer Satellitenbauer OHB das Herzstück der Bundeswehr-Weltraumpläne an Land ziehen.

Auf dem Tisch liegt die Satellitenkonstellation „SATCOMBw Stufe 4“: Mindestens 100 Satelliten sollen bis 2029 Panzer, Schiffe und Soldaten miteinander vernetzen. Technisch erinnert das in Details an Starlink von SpaceX – nur eben als militärische Variante. Der Auftragswert: geschätzte acht bis zehn Milliarden Euro.

Zwei Bewerber, ein Megaprojekt

Schon im Februar könnte die Ausschreibung starten. Erwartet werden zwei Bewerber: Rheinmetall zusammen mit OHB – und Airbus. Dessen Rüstungssparte Defence and Space betreibt bereits das bestehende SATCOMBw-Kommunikationssystem.

Das Verteidigungsministerium gibt sich zugeknöpft und verweist auf ein laufendes Vergabeverfahren. Rheinmetall, OHB und Airbus wollten sich nicht äußern.

Rheinmetall will ins All – aber nicht allein

Rheinmetall verhandelt mit OHB über die Details. Im Konzern ist von einem Joint Venture die Rede, also einem Gemeinschaftsunternehmen, bei dem zwei Firmen ihre Stärken zusammenlegen, Risiko teilen – und am Ende auch Einflussfragen klären müssen.

Mit dem finnischen Anbieter Iceye ist Rheinmetall bereits in einem Joint Venture verbunden: Für die Bundeswehr geht es dort um Radarsatelliten. Ende vergangenen Jahres erhielt das Gemeinschaftsunternehmen einen Auftrag über 40 sogenannte SAR-Satelliten im Wert von mindestens 1,7 Milliarden Euro. SAR steht für Radaraufklärung – Systeme, die auch bei Nacht und durch Wolken arbeiten können.

Pistorius’ Weltraumoffensive und der Deutschland-Faktor

Das Vorhaben passt in die von Verteidigungsminister Boris Pistorius angekündigte Weltraumoffensive: Bis 2030 stehen dafür rund 35 Milliarden Euro zur Verfügung. Für Aufbau und technische Ausgestaltung von SATCOMBw Stufe 4 ist die Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum zuständig.

Deren Weltraumbeauftragter, Generalmajor Armin Fleischmann, spricht von einem militärischen Starlink für die Bundeswehr und betont, vorzugsweise deutsche Unternehmen beauftragen zu wollen. Das könnte Rheinmetall und OHB Rückenwind geben.

Airbus ist zwar in Deutschland verankert, produziert Satelliten aber vor allem in Frankreich. Außerdem plant Airbus für 2027 die Zusammenlegung der Satellitensparte mit Thales und Leonardo. Das macht die Frage der industriellen Wertschöpfung und Kontrolle politisch heikel.

Zeitplan ohne Schonfrist

Die Bundeswehr hat kaum Luft: Der Satellitenverbund soll bis 2029 im All sein – für ein Projekt dieser Größe ein sportlicher Zeitplan. Lange Vorläufe, knappe Bauteile und volle Produktionslinien können schnell zur Nervenprobe werden.

Hier kann Airbus punkten: Der Konzern kann auf bestehende Kapazitäten und Erfahrung verweisen, wenn viele Satelliten im Verbund kommunizieren sollen. Dafür braucht es spezielle Antennen und Halbleiter, also Chips, ohne die moderne Kommunikation nicht läuft und die in Lieferketten gern zum Flaschenhals werden.

OHB bringt ebenfalls viel Technik-Know-how mit und baut seit mehr als drei Jahrzehnten Satelliten, auch für die Bundeswehr. Der Haken: Bisher ging es vor allem um Aufklärungssatelliten, jetzt sind Kommunikationssatelliten gefragt – fliegende Funkmasten im Verbund, die Daten zuverlässig durchreichen müssen.

Machtfrage im Joint Venture

Offen ist auch, wer am Ende das Sagen hat. Rheinmetall und OHB wollen ein Joint Venture bilden, doch es gibt unterschiedliche Vorstellungen über die Anteile. Rheinmetall strebt die Mehrheit an.

Für Rheinmetall wäre das der nächste Sprung. Der Konzern ist erst seit Kurzem im Weltraumgeschäft aktiv und baut gerade ein Werk in Neuss um. Dort sollen ab Mitte des Jahres die ersten Radarsatelliten für die Bundeswehr entstehen – zusammen mit Iceye.

Wenn Rheinmetall auch die Kommunikationssatelliten bekäme, müsste der Dax-Konzern sein Weltraum-Engagement in kurzer Zeit massiv hochfahren. Und die Bundeswehr hätte in zwei zentralen Bereichen einen dominanten Generalunternehmer. Am Ende wird entscheidend sein, ob Tempo oder Unabhängigkeit den Ausschlag gibt.