Der Absatz-Booster ist da: Airbus Helicopters legt im Militärgeschäft kräftig zu – aber ausgerechnet in Deutschland bremst noch immer ein Wust aus Papier, Seitenzahlen und Formalitäten.
Airbus-Helicopters-Deutschlandchef Stefan Thomé nimmt im Interview kein Blatt vor den Mund: Bei der Bundeswehrbeschaffung stecke weiterhin zu viel Bürokratie drin. Sein Beispiel klingt nach Behörde pur: Der Vertrag für den leichten Kampfhubschrauber in Deutschland habe mehr als tausend Seiten. In anderen Ländern komme man mit deutlich weniger aus. Gleichzeitig sagt Thomé auch: Ganz so mies wie früher sei es nicht mehr. Der politische Wille habe sich verändert – und das spüre man.
Airbus gewinnt im Militärmarkt – die USA als Schlüsselkunde
Und während in Berlin noch Aktenordner wachsen, wächst Airbus Helicopters im Markt: Gemessen in Stückzahlen hat der Hersteller seinen Weltmarktanteil bei neuen Bestellungen militärischer Hubschrauber von 19 Prozent im Jahr 2024 auf 28 Prozent im vergangenen Jahr gesteigert. Der größte Flottenkunde sind dabei ausgerechnet die USA – und die haben fast 500 UH-72-Lakota-Hubschrauber abgenommen. Heißt unterm Strich: Da, wo schneller entschieden wird, wird auch schneller gekauft.
EU-Projekt als Warnschuss – sonst droht die nächste Abhängigkeit
Thomé schiebt gleich noch eine Warnung hinterher – verständlich genug, dass es auch der letzte Skeptiker kapiert: Deutschland solle sich stärker beim EU-Projekt Next Generation Rotorcraft Technologies reinhängen. Das Projekt soll den Militärhubschrauber von morgen entwickeln. Wenn man da nur am Rand steht, droht der nächste strategische Fehler. Thomé erinnert an die Entscheidung vor rund 20 Jahren, als Europa der Entwicklung eines schweren Transporthubschraubers eine Absage erteilt habe. Ergebnis heute: Die Bundeswehr muss ihren neuen schweren Transporthubschrauber Boeing CH-47 Chinook in den USA einkaufen, weil es keine europäische Alternative gibt.

