Rheinmetall bekam am Donnerstag ordentlich Gegenwind: Die Aktie rutschte zeitweise um bis zu 9,5 Prozent auf 1520,20 Euro ab. Später fing sie sich etwas – ins Ziel ging es trotzdem mit rund 6,5 Prozent Minus.
Das war kein normales Gezappel, sondern der größte zwischenzeitliche Tagesverlust seit April. Damals hatten Donald Trumps Zollforderungen die Märkte weltweit auf Talfahrt geschickt.
Warum ausgerechnet Rheinmetall so stark fällt
Der Druck kam gleich von zwei Seiten. Erstens: In der ganzen Rüstungs-Ecke nahmen Anleger Gewinne mit – weil plötzlich wieder Hoffnung auf Entspannung zwischen Iran und den USA aufkam. Irans Außenminister Abbas Araghtschi sagte am späten Mittwoch, die geplanten Atomgespräche zwischen Iran und USA sollen am Freitag im Oman stattfinden. Am Mittwoch stand das Treffen noch auf der Kippe, weil man sich beim Ort nicht einig war.
Der Effekt: Nicht nur Rheinmetall wackelte. Auch andere Rüstungswerte gaben nach – Renk und Hensoldt verloren zwischenzeitlich jeweils rund vier Prozent. Rheinmetall traf es aber deutlich härter.
Analysten: Kaufempfehlung bleibt – Ausblick nervt trotzdem
Zweitens sorgten Analystenberichte für Unruhe. Berenberg und Jefferies blieben zwar bei ihren Kaufempfehlungen, strichen aber die Kursziele leicht zusammen. Der Knackpunkt: Rheinmetall habe in einer Telefonkonferenz mit Analysten einen Umsatzausblick geliefert, der als enttäuschend ankam.
Die Quartals- und Jahreszahlen legt Rheinmetall am 11. März vor. Solche Analysten-Calls vorab sind nicht ungewöhnlich – nur kann genau so ein Gespräch den Markt eben auch auf dem falschen Fuß erwischen.
Jefferies zufolge stellt Rheinmetall für 2026 einen Umsatz von 13 bis 14 Milliarden Euro in Aussicht. Das liege rund zwölf Prozent unter den aktuellen Konsensschätzungen – also unter dem, was Analysten im Schnitt bisher erwartet haben.
Auch beim Gewinnbild passt es nicht ganz: Aus der genannten Margenprognose leitet Jefferies ein operatives Ergebnis (Ebit) von 2,4 bis 2,8 Milliarden Euro ab. Ebit heißt vereinfacht: Gewinn vor Zinsen und Steuern – das ist eine wichtige Messlatte, weil sie zeigt, wie viel im Kerngeschäft hängen bleibt. Und auch dieser Wert liege unter den Erwartungen.
Jefferies schrieb, man rechne deshalb mit einer negativen Marktreaktion – genau das war am Donnerstag zu sehen. Gleichzeitig betonten die Analysten, sie sähen im laufenden Jahr nur wenig Risiken: Rheinmetall profitiere weiter von steigenden Verteidigungsausgaben in Europa, die Aussichten für Auftragseingänge und freien Cashflow seien positiv.
Dazu kommen zwei Punkte, die Investoren gern hören: Rheinmetall dürfte Ende 2025 voraussichtlich schuldenfrei sein. Und der Konzern erwarte eine Anzahlung von 3,75 Milliarden Euro für Lieferungen des Radpanzers Boxer.
Kursziele sinken – bleiben aber klar über dem Kurs
Berenberg senkte das Kursziel für die nächsten zwölf Monate um 100 auf 2100 Euro, Jefferies um 110 auf 2060 Euro. Aus damaliger Sicht entsprach das einem Kurspotenzial von mehr als 30 Prozent – trotz der leichten Korrektur beim Ziel.
Insider greifen zu – mitten in den Kursrutsch
Spannend: Ausgerechnet bei dem Rücksetzer kauften Unternehmensinsider nach. Rheinmetall meldete am Mittag, dass Konzernchef Armin Papperger über seine Beteiligungsgesellschaft ATP Holding Aktien im Wert von knapp 300.000 Euro gekauft hat – zum Kurs von 1572,50 Euro.
Am späten Nachmittag kamen weitere Käufe dazu: Aufsichtsrat Marc Tüngler – Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz – legte sich zu 1561 und 1555 Euro Rheinmetall-Aktien im Wert von knapp 58.000 Euro ins Depot.
Vorstände und Aufsichtsräte dürfen mit Aktien des eigenen Unternehmens handeln, wenn alle kursrelevanten Informationen veröffentlicht sind – und wenn die Geschäfte an die Finanzaufsicht BaFin gemeldet werden.
Mit Rheinmetall-Anteilen wird aus den Führungsetagen ohnehin auffällig oft gehandelt, seit die Aktie mit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ihren steilen Lauf hingelegt hat. Seit Anfang 2022 ist der Kurs laut Handelsblatt um rund 1800 Prozent gestiegen – und Auswertungen zu Insiderkäufen zeigen, dass Rücksetzer dabei häufig als Kaufchance genutzt werden.
Jetzt hängt viel daran, wie Rheinmetall am 11. März liefert: Wenn der Konzern den Ausblick glaubwürdig untermauert, kann der Schreck schnell wieder verdaut sein – wenn nicht, bleibt der Kurs anfällig für die nächste Verkaufswelle.

