Im Geschäft mit Satelliteninternet wird inzwischen nicht mehr nur geplant, sondern mit ganz großen Summen hantiert. Amazon verhandelt laut einem Bericht über einen Kauf von Globalstar für rund 9 Milliarden Dollar – und an der Börse schoss die Fantasie sofort durch die Decke. Die Aktie des Satellitenkonzerns sprang im nachbörslichen Handel um 24 %. Dabei hatte sich der Börsenwert in den vergangenen zwölf Monaten ohnehin schon mehr als verdoppelt. Zuletzt kam Globalstar auf eine Marktkapitalisierung von 8,81 Milliarden Dollar.
Das ist keine kleine Randnotiz aus der Telekom-Ecke. Sollte der Deal zustande kommen, wäre das ein ziemlich direkter Angriff auf Elon Musks Starlink. Amazon versucht seit geraumer Zeit, im Geschäft mit Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn voranzukommen – also dort, wo die Dinger vergleichsweise nah an der Erde kreisen und deshalb schnelles Internet liefern können. Genau in diesem Feld ist Globalstar unterwegs. Das Unternehmen bietet Sprach-, Daten- und Ortungsdienste für Firmen, Behörden und Verbraucher an.
Apple macht die Sache kompliziert
Noch ist die Sache allerdings nicht durch. Dem Bericht zufolge ziehen sich die Gespräche schon länger hin, und einige komplizierte Punkte sind weiter offen. Einer davon heißt Apple. Der iPhone-Konzern hält 20 % an Globalstar, und genau das macht die Lage hakelig. Wenn Amazon Globalstar wirklich schlucken will, kommt es an Apple nicht vorbei. Globalstar reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage, Amazon wollte den Bericht nicht kommentieren.
Amazon steht im All unter Zugzwang
Für Amazon wäre ein solcher Kauf vor allem ein Versuch, beim Tempo endlich nachzulegen. Das eigene Projekt läuft inzwischen unter dem Namen Leo, früher war es als Project Kuiper bekannt. Geplant ist ein Netz von 3.200 Satelliten. Bisher sind davon aber erst 180 im Orbit. Das zeigt ziemlich klar, wo das Problem liegt: Amazon ist in diesem Rennen noch lange nicht vorne.
Denn Starlink spielt längst in einer anderen Liga. Das Netzwerk von SpaceX kommt auf mehr als 9.500 Satelliten und versorgt weltweit über neun Millionen Nutzer. Dazu bedient Starlink nicht nur Privatkunden, sondern auch Unternehmen, Regierungen und sogar US-Sicherheitsbehörden über die Variante Starshield. Wer sich anschaut, wie breit Musk dieses Geschäft inzwischen aufgestellt hat, merkt schnell: Amazon bastelt nicht an einem Nebenprojekt, sondern versucht, zu einem bereits davongezogenen Rivalen aufzuschließen.
Mehr als nur ein Börsengerücht
Brisant wird die Sache auch deshalb, weil SpaceX einen Börsengang in den USA vorbereitet haben soll. Das wäre, wenn es so kommt, kein normaler IPO, sondern ein Kaliber, das alles sprengen könnte. Analysten gehen davon aus, dass ein großer Teil einer möglichen Bewertung von 1,75 Billionen Dollar ausgerechnet auf Starlink zurückgeht. Anders gesagt: Das Satellitengeschäft ist bei SpaceX längst nicht mehr bloß technisches Beiwerk, sondern ein zentraler Werttreiber.
Genau deshalb hat diese Amazon-Story Wucht. Einerseits zeigt sie, wie ernst der Konzern das Rennen um Internet aus dem All inzwischen nimmt. Andererseits macht sie auch sichtbar, wie groß der Rückstand noch ist. Ein Kauf von Globalstar könnte Amazon Know-how, Infrastruktur und vielleicht vor allem Zeit verschaffen. Die spannende Frage ist jetzt nur noch, ob aus den langen Gesprächen wirklich ein Deal wird – oder ob am Ende wieder viel Staub aufgewirbelt wurde und sonst nichts.

