Was SpaceX da vorbereitet, ist kein normaler Börsengang mehr, sondern ein Monster-Deal mit Ansage. Wenn die Firma tatsächlich 75 Milliarden Dollar einsammelt, wäre das nicht einfach groß, sondern historisch. Der bisherige Rekord sähe dagegen plötzlich ziemlich klein aus.
Noch spannender ist aber etwas anderes: SpaceX will den Deal offenbar nicht nur den üblichen Großinvestoren zuschieben, also Fonds, Banken und anderen schweren Jungs vom Kapitalmarkt. Ein ungewöhnlich großer Teil der Aktien soll an Kleinanleger gehen. Anders gesagt: nicht nur die Wall Street soll mitverdienen, sondern auch normale Börsianer.
Kleinanleger sollen mit ins Raumschiff
Das ist ein Kurswechsel mit Wucht. Bei normalen IPOs, also Börsengängen, landen meist nur 5 bis 10 Prozent der Aktien bei Privatanlegern. Bei SpaceX stehen bis zu 30 Prozent im Raum. Das wäre kein Detail am Rand, sondern eine Kampfansage an die übliche Börsenmechanik.
CFO Bret Johnsen soll bei einem Treffen mit den beteiligten Banken deutlich gemacht haben, dass Privatanleger diesmal eine Schlüsselrolle spielen. Das wirkt nicht wie eine nette Beigabe, sondern wie Teil der ganzen Inszenierung. SpaceX will diesen Börsengang offenbar nicht nur verkaufen, sondern regelrecht zelebrieren.
Dazu passt auch der Plan für ein großes Investorenevent am 11. Juni mit 1.500 Kleinanlegern. Schon diese Zahl zeigt, wohin die Reise geht: Hier soll nicht im stillen Kämmerlein ein Mega-IPO abgewickelt werden. Hier soll ein Ereignis entstehen, das aussieht wie eine Mischung aus Börsenpremiere, Fan-Treffen und globaler Show.
Roadshow im Juni, Prospekt Ende Mai
Mitmachen sollen nicht nur Anleger in den USA, sondern auch in Großbritannien, der EU, Australien, Kanada, Japan und Korea. Das ist bemerkenswert. SpaceX setzt also nicht nur auf Kapital, sondern auch auf Reichweite, auf Aufmerksamkeit und auf den Musk-Effekt. Genau das kann den Hype weiter anheizen.
Der Zeitplan scheint ebenfalls ziemlich klar zu sein. Die Roadshow soll in der Woche ab dem 8. Juni starten. Das ist die Phase, in der Management und Banken Investoren den Deal schmackhaft machen. Börsendeutsch klingt da oft geschniegelt, am Ende geht es aber schlicht darum, möglichst viel Geld zu möglichst guten Konditionen einzusammeln.
Schon einen Tag vorher sollen rund 125 Analysten der insgesamt 21 beteiligten Banken mit dem Unternehmen zusammenkommen. Ende Mai soll dann der Prospekt veröffentlicht werden, also das offizielle Börsenpapier mit den harten Fakten zum Deal. Erst dann wird man sehen, was von all den Ambitionen schwarz auf weiß übrig bleibt.
Die Bewertung wird immer steiler
Zu den führenden Banken gehören Morgan Stanley, Bank of America, Citigroup, JPMorgan und Goldman Sachs. Das zeigt, in welcher Liga dieser Börsengang spielt. Hier wird kein Start-up mit heißer Luft an die Börse geschoben, sondern ein Koloss, der den Markt im Zweifel einmal komplett durchrütteln kann.
Bei der Bewertung langt SpaceX ebenfalls ordentlich hin. Nach der Fusion mit Musks KI-Firma xAI lag die kombinierte Bewertung im Februar bei 1,25 Billionen Dollar. Davor war SpaceX bei einem Tenderangebot im Dezember 2025 noch mit 800 Milliarden Dollar bewertet worden. Nun stehen bis zu 1,75 Billionen Dollar im Raum.
Das ist ein gewaltiger Sprung. Einerseits zeigt er, wie sehr der Markt noch immer auf alles anspringt, worauf Musk seinen Stempel drückt – Raumfahrt, KI, Zukunft, Größenwahn, alles dabei. Andererseits steigt mit jeder neuen Bewertungsstufe auch das Risiko, dass die Erwartungen irgendwann so aufgeblasen sind, dass selbst ein Top-Unternehmen kaum noch sauber hindurchkommt.
Genau da liegt der Knackpunkt. Große Namen, große Visionen und ein riesiger Retail-Anteil sorgen schnell für Euphorie. Euphorie ist an der Börse aber oft ein schlechter Ratgeber. Sie treibt Kurse hoch wie ein Korken auf einer Welle – nur leider nicht immer dauerhaft.
SpaceX selbst hat den Bericht zunächst nicht kommentiert. Reuters beruft sich auf zwei mit der Sache vertraute Personen. Heißt übersetzt: Die Geschichte ist sehr konkret, aber noch nicht offiziell abgenickt. Entscheidend wird deshalb, was Ende Mai wirklich im Prospekt steht. Dann zeigt sich, ob hier nur die ganz große Bühne aufgebaut wird – oder ob auch das Fundament darunter stark genug ist.

