Die Wall Street wollte solide Zahlen – und bekam bei Palantir gleich noch eine Portion Zündstoff obendrauf. Der Datenanalyse-Spezialist liefert ein Wachstums-Feuerwerk, die Aktie zieht nach Handelsschluss (also „nachbörslich“) knapp sieben Prozent an – und Chef Alex Karp legt sich ausgerechnet beim heikelsten Thema demonstrativ weit aus dem Fenster.
Unterm Strich: Palantir hat im vierten Quartal die Erwartungen übertroffen. Der Umsatz sprang um 70 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar. Beim Gewinn je Aktie meldete der Konzern 25 Cent – Analysten hatten im Schnitt 23 Cent auf dem Zettel.
Das ist ein Tempo, das man nicht schönrechnen muss. Und es kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktie zu Jahresbeginn erst mal schwächelte. Jetzt hat das Papier wieder Rückenwind – zumindest kurzfristig.
Prognose: Palantir setzt noch einen drauf
Für 2026 stellt Palantir weiteres Wachstum in Aussicht: Der Jahresumsatz soll um 61 Prozent auf rund 7,1 Milliarden Dollar steigen. Der Markt rechnete im Schnitt nur mit 6,2 Milliarden. Auch fürs laufende Quartal klingt die Ansage selbstbewusst: rund 1,5 Milliarden Dollar Umsatz – ebenfalls über den Erwartungen.
Das stärkt die Position des Unternehmens mit Hauptsitz in Denver. Und es zeigt, warum Anleger Palantir als KI-Profiteur feiern: Wo viele Firmen beim Thema Künstliche Intelligenz vor allem große Worte liefern, kommt hier gerade sichtbar Geld rein.
ICE: Karp sucht die Konfrontation
Genau in dem Moment, in dem die Zahlen eigentlich für sich sprechen könnten, lenkt Karp den Blick wieder auf die umstrittene Zusammenarbeit mit der US-Einwanderungsbehörde ICE. Die Behörde steht wegen ihres Vorgehens gegen Migranten und Demonstranten in der Kritik – und Karp verteidigt die Kooperation offensiv.
In einem TV-Interview sagt er sinngemäß: Wer ICE kritisch sieht, solle nicht gegen Palantir wettern, sondern für mehr Palantir in Regierungsprojekten protestieren. Übersetzt in Alltagssprache: Wenn euch die Behörde stört, dann sorgt dafür, dass mehr Palantir-Software dort läuft.
Karp begründet das mit dem vierten Verfassungszusatz der USA – der schützt Bürger vor ungerechtfertigten Durchsuchungen, Festnahmen und Beschlagnahmungen. Seine Botschaft: Palantirs Einsatz setze im Kern voraus, dass diese Regeln eingehalten werden. Wie die Technik solche Eingriffe konkret verhindert, lässt er allerdings offen.
Brisant ist auch der Kontext: In Minneapolis wurden im Rahmen von Anti-ICE-Protesten zwei Demonstranten erschossen. In so einer Lage sind Sprüche über mehr Palantir kein lockerer Talk – das bleibt hängen.
Nach Veröffentlichungen des US-Heimatschutzministeriums liefert Palantir unter anderem KI-Software, die bei der Auswertung von Hinweisen helfen soll. 2025 schloss das Unternehmen zudem einen Vertrag über 30 Millionen Dollar mit ICE ab.
Regierungsgeschäft: viel Umsatz, viel Streitpotenzial
Palantir verdient einen großen Teil seines Geldes mit Staatsaufträgen – und das sieht man auch in den Quartalszahlen. Der Umsatz mit Regierungsstellen lag im vierten Quartal bei 570 Millionen Dollar, der Umsatz mit Privatunternehmen bei 507 Millionen. Neben ICE nutzt auch das Pentagon Palantir-Software, ebenso weitere US-Behörden.
In der Telefonkonferenz sagte Technologiechef Shyam Sankar, die Nutzung von Maven – einem KI-gestützten Missionskontrollsystem fürs US-Militär – liege auf einem Allzeithoch. Maven soll unter anderem KI-gestützte Zielidentifikation ermöglichen; laut Sankar werde das System im Laufe dieses Jahres weiter ausgerollt.
Palantir arbeitet seit Langem für ICE und ermöglicht es Beamten, umfassende Dossiers über Einzelpersonen zu erstellen. Das Heimatschutzministerium kaufte außerdem eine Palantir-App namens Elite, die ICE-Beamten verwertbare Daten liefern soll – darunter KI-extrahierte Adressen. Dazu kommen Verteidigungskooperationen mit Regierungen weltweit.
Auch in Deutschland hat Karp zuletzt Öl ins Feuer gegossen: Ende 2025 kritisierte er in einem Interview die deutsche Migrationspolitik scharf. Der Grünen-Politiker Cem Özdemir sprach sich danach für ein Ende von Staatsaufträgen für Palantir aus. Für Anleger heißt das: Wer hier investiert, kauft nicht nur Software-Fantasie, sondern auch Dauer-Diskussionen über Ethik, Staat und Überwachung mit.
An der Börse gilt Palantir weiter als einer der großen Gewinner des KI-Booms. In den vergangenen zwei Jahren ist der Kurs um fast 800 Prozent gestiegen – die Marktkapitalisierung legte um nahezu 315 Milliarden Dollar zu.
Doch die Kehrseite ist die Bewertung: Seit dem Hoch im November war der Kurs zwischenzeitlich um 29 Prozent gefallen. Trotzdem wird die Aktie mit dem etwa 141-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt – einer der höchsten Werte im S&P 500. Das ist eine Messlatte, bei der schon kleine Enttäuschungen hässliche Spuren im Kurs hinterlassen können.
Dass der Titel polarisiert, zeigt auch ein prominenter Name aus der Börsenfolklore: 2025 setzte Hedgefonds-Manager Michael Burry – bekannt durch seine Wette gegen den US-Hypothekenmarkt und den Film The Big Short – auf fallende Kurse bei Palantir.

