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5. März 2026

Airline-Aktien plötzlich im Plus: Warum die Börse jetzt wieder zugreift

Flughafen
Foto: Depositphotos.com / kamchatka

Ein paar Maschinen heben wieder ab – und schon wirkt es an der Börse, als sei der Schock von Anfang der Woche halb verdaut. Airline-Aktien haben am Donnerstag zugelegt, weil aus dem Nahen Osten zumindest wieder ein Rinnsal an Flügen läuft. Nach den US-israelischen Angriffen auf Iran waren den Fluggesellschaften zuvor Milliarden an Börsenwert weggebrochen.

Der Haken: Von Normalbetrieb kann keine Rede sein. Ein Großteil des Luftraums in der Region bleibt dicht, weil schlicht niemand riskieren will, dass eine Passagiermaschine in eine Raketenlage gerät. Staaten organisieren Not-Ausreisen für Zehntausende Gestrandete – und die Airlines müssen parallel mit massiv gestiegenen Kerosinpreisen klarkommen.

Dubai: Drehkreuz unter Druck

Dubai trifft es besonders, weil hier sonst das Drehkreuz der Welt tickt. Der Flughafen, der normalerweise mehr als 1.000 Flüge pro Tag abfertigt, stand still – und das hat Reiseketten zerrissen. Auch die Ticketpreise auf beliebten Strecken wie Australien nach Europa zogen an.

Emirates und Etihad lassen inzwischen wieder einzelne Verbindungen ab Dubai und Abu Dhabi laufen – aber eben nur in begrenzter Zahl und über „sichere Luftkorridore“ der Vereinigten Arabischen Emirate. Übersetzt: Man fliegt dort, wo die Behörden das Risiko für vertretbar halten. Am Donnerstagmorgen gingen wieder Emirates-Flüge raus, etwa nach Sydney, Paris, Amsterdam, Toronto und Mumbai – während der Großteil der Verbindungen weiterhin ausfiel.

Relief-Flüge und Rückholaktionen

Qatar Airways will ab Donnerstag mit begrenzten „Relief-Flügen“ starten, also Entlastungsflügen für gestrandete Passagiere. Geplant sind Abflüge von Muscat im Oman zu sechs europäischen Zielen, darunter London, Berlin und Rom, sowie von Riyadh nach Frankfurt. Das wären die ersten Qatar-Flüge seit Samstag, als das Doha-Drehkreuz nach den Angriffen geschlossen wurde.

Auch Regierungen schieben an. Ein US-Regierungscharter bringt Amerikaner aus der Region zurück in die USA, weitere Flüge sollen folgen. Mehr als 17.500 Amerikaner seien seit dem 28. Februar aus dem Nahen Osten in die USA zurückgekehrt. Kanada arbeitet ebenfalls an Rückholaktionen – mit Plätzen auf Linienflügen und zusätzlich gecharterten Maschinen.

Aktien drehen nach oben – aber nicht überall

An den Börsen griffen Anleger trotzdem zu. Cathay Pacific stieg in Hongkong um 4%, Japan Airlines legte leicht zu, Qantas schloss 1% höher, Korean Air sprang um mehr als 6% nach oben. In China sah das Bild nüchterner aus: Air China, China Eastern und China Southern verloren in Hongkong und Shanghai 1% bis 3% – nach den steileren Abgaben der Vortage immerhin eine Stabilisierung.

Ein Stratege bremste die Erwartungen: Das sei vor allem eine kurzfristige Erholung, wie tragfähig sie ist, hänge am Verlauf des Iran-Konflikts.

Kerosin-Schock und Umwege im Himmel

Denn der Kostendruck bleibt brutal. Jet-Fuel-Preise sind seit den Angriffen weltweit nach oben geschossen; in Singapur erreichte der Preis ein Allzeithoch – aus Sorge vor Störungen beim Angebot. Dazu kommt der operative Wahnsinn: Airlines müssen Umwege fliegen, mehr Treibstoff einplanen oder zusätzliche Tankstopps einbauen, um auf spontane Umleitungen reagieren zu können.

Und als wäre das nicht genug, trifft der Konflikt auch die Luftfracht. Die weltweite Air-Cargo-Kapazität ist um mehr als ein Fünftel gesunken, die Frachtraten ziehen an. Die entscheidende Frage für Anleger lautet damit weniger, ob ein paar Flüge wieder starten – sondern ob aus dem Rinnsal schnell wieder ein Strom werden kann, bevor Kosten und Risiken die nächste Kursrunde diktieren.