Wenn ein Konzern für ein KI-Investment plötzlich bis zu 40 Milliarden Dollar Kredit auftreiben will, dann ist klar: Hier geht es nicht mehr um ein bisschen Zukunftsfantasie. SoftBank zieht die Sache offenbar mit voller Wucht durch.
Laut einem Bericht von Bloomberg will der japanische Technologiekonzern einen Kredit über bis zu 40 Milliarden Dollar aufnehmen, um vor allem sein Investment in OpenAI zu finanzieren. Geplant sei eine Art Zwischenfinanzierung, also ein Überbrückungskredit mit einer Laufzeit von rund zwölf Monaten. Vier Banken sollen dabei mit an Bord sein, darunter JPMorgan. Noch wird verhandelt, die Details können sich also jederzeit ändern.
Wette mit Ansage
Überraschend kommt das im Grunde nicht. SoftBank-Chef Masayoshi Son hat in Sachen Künstliche Intelligenz schon länger klargemacht, dass er nicht kleckert, sondern klotzt. Die Beteiligung an OpenAI wirkt längst nicht mehr wie ein Nebenschauplatz, sondern wie eines der zentralen Projekte des Konzerns.
Reuters konnte den Bloomberg-Bericht zunächst nicht unabhängig bestätigen. Weder SoftBank noch OpenAI reagierten demnach sofort auf Anfragen. Genau das sollte man im Hinterkopf behalten: Die Meldung hat Wucht, ist aber bisher eben noch kein offiziell bestätigter Konzernschritt.
Größenordnung mit Sprengkraft
Spannend ist vor allem die Summe. 40 Milliarden Dollar Fremdkapital nimmt man nicht auf, weil man ein bisschen mitmischen will. Das ist ein Signal mit Ansage. SoftBank scheint bereit zu sein, seine OpenAI-Wette noch einmal deutlich hochzufahren.
Nach Reuters-Informationen hielt SoftBank Ende des vergangenen Jahres bereits rund 11 Prozent an OpenAI. Damit war der Konzern schon tief drin. Sollte nun tatsächlich noch einmal in dieser Größenordnung finanziert werden, wäre das der nächste massive Schritt in einer Strategie, die kaum noch etwas von vorsichtigem Austesten hat.
KI kostet Unsummen
Dass in diesem Markt inzwischen in völlig anderen Dimensionen gedacht wird, zeigt auch der Blick auf OpenAI selbst. Reuters hatte bereits im vergangenen Jahr exklusiv berichtet, dass das Unternehmen die Grundlagen für einen Börsengang schafft, der OpenAI eines Tages mit bis zu einer Billion Dollar bewerten könnte.
Im vergangenen Monat hieß es zudem, OpenAI wolle 110 Milliarden Dollar in einer Finanzierungsrunde einsammeln, die eine Bewertung von 840 Milliarden Dollar ermöglichen könnte. Genannt wurden dabei 30 Milliarden Dollar von SoftBank, weitere 30 Milliarden Dollar von Nvidia und 50 Milliarden Dollar von Amazon. Spätestens da wird klar: Der KI-Boom frisst Kapital wie ein Hochofen Kohle.
Genau darin liegt aber auch der Haken. Einerseits ist das ein brachiales Vertrauenssignal für OpenAI und den gesamten KI-Sektor. Andererseits werden die Risiken mit jeder weiteren Milliardenrunde größer. Je höher die Bewertung, je fetter die Kredite, desto unangenehmer wird es, falls die Erwartungen irgendwann nicht mehr mit der Realität Schritt halten. Die nächste entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob SoftBank groß denkt. Das tut der Konzern längst. Die Frage ist, ob diese Wette am Ende genial wirkt – oder einfach nur verdammt teuer wird.

