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2. Januar 2026

34 Rekorde, dann Stillstand: So lief das Dax-Jahr wirklich

DAX
Foto: depositphotos.com / MichaelGromball

Der Dax hat 2025 so getan, als gäbe es da draußen keine Krisen: Plus 23 Prozent – bestes Börsenjahr seit 2019. Und zum Finale hat er noch einmal nachgelegt. Der Leitindex sprang am letzten Handelstag über 24.500 Punkte und schloss 0,57 Prozent höher bei 24.490,41 Zählern. Das Allzeithoch von 24.771 Punkten aus dem Oktober ist damit wieder in Sichtweite.

Im Dezember stand unterm Strich ein Plus von 2,7 Prozent. Und im Gesamtjahr ließ der Dax damit nicht nur die deutsche Wirtschaftsflaute ziemlich alt aussehen, sondern auch andere große Börsenbarometer: Der Eurozonen-Index EuroStoxx und der US-Leitindex Dow Jones Industrial kamen nicht an die Dax-Bilanz heran.

Der Haken an diesem letzten Börsentag: Es war ein halber Arbeitstag. Im verkürzten Handel wurden um 14 Uhr die Bücher für 2025 zugemacht. Viele Anleger waren zwischen den Jahren ohnehin nicht am Platz – dünner Umsatz heißt: Schon kleinere Orders können Kurse stärker schubsen. Wer da auf jedes Zucken starrt, sollte wissen, dass so ein Markt manchmal mehr Flipperautomat als Präzisionsmaschine ist.

Starker Index, schwaches Land – wie passt das zusammen?

Dass der Dax so glänzt, obwohl Deutschland wirtschaftlich eher auf Sparflamme läuft, wirkt erstmal schräg. Ist es aber nur, wenn man den Index mit der deutschen Binnenlage verwechselt. Die 40 Dax-Konzerne verdienen einen großen Teil ihres Geldes im Ausland. Anleger schauen deshalb weniger auf das, was gerade hierzulande klemmt, sondern darauf, was diese Firmen künftig an Gewinn abliefern könnten. Börse ist oft Blick nach vorn – nicht Lagebericht von gestern.

Marktexperte Thomas Altmann (QC Partners) nannte 2025 ein exzellentes Börsenjahr, schob aber gleich hinterher: Das galt vor allem fürs erste Halbjahr. Das zweite Semester war eher „Seitwärtslaufen“ – also: Der Kurs trat mehr auf der Stelle, statt weiter durchzuziehen. Die Zahlen passen dazu: Von 34 Rekordhochs markierte der Dax 31 in der ersten Jahreshälfte, im zweiten Halbjahr nur noch drei.

Der MDax, also der Index der mittelgroßen Werte, legte am Dienstag um 0,54 Prozent auf 30.617,67 Punkte zu. Im Dezember waren es plus 2,3 Prozent. Für 2025 steht beim MDax ein Plus von fast 20 Prozent.

Fed-Protokoll, Krieg und Rüstungsfantasie

Am Dienstagabend stand noch das Protokoll der letzten Zinssitzung der US-Notenbank Fed auf dem Zettel. Das ist kein Roman, aber für Märkte oft Pflichtlektüre: Dort steht, wie die Notenbanker intern ticken. Marktanalyst Jochen Stanzl (Consorsbank) erwartet einen spannenden Blick hinter die Kulissen, weil die Meinungen innerhalb der Fed weit auseinandergehen. Übersetzt: Jeder Satz kann helfen, den Zinskurs fürs kommende Jahr besser einzuschätzen – und Zinsen sind für Aktien eben so etwas wie die Preisliste fürs Geld.

Geopolitisch bleibt die Ukraine der Nervfaktor. Nach Kremlangaben will der russische Präsident Wladimir Putin seine Position für Verhandlungen mit US-Präsident Donald Trump wegen eines angeblichen Terroranschlags Kiews überarbeiten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wies das als Lüge zurück. An der Börse reichte das Thema trotzdem, um Rüstungswerte anzuschieben: Rheinmetall, Hensoldt und Renk stiegen um bis zu 2,3 Prozent.

Ansonsten war die Nachrichtenlage dünn – was an so einem verkürzten Handelstag fast schon Tradition ist. Trotzdem suchte sich der Markt seine Geschichten. Infineon setzte sich an die Dax-Spitze und verteuerte sich um 2,7 Prozent. Ein Händler verwies auf ein Interview von Konzernchef Jochen Hanebeck als Stimmungshelfer: Er rechnet auf Jahre mit einem Boom bei KI-Chips und kräftigem Wachstum bei Halbleitern für die Stromversorgung von KI-Rechenzentren. Kurz gesagt: Mehr Künstliche Intelligenz heißt mehr Rechenzentren – und die fressen Strom und Technik wie ein hungriger Motor.

Bei Verbio gab’s zum Jahresende noch eine Extra-Portion Rally. Die Aktie sprang am Dienstag um 6,5 Prozent nach oben und baute das Jahresplus auf gut 79 Prozent aus. Bemerkenswert: Im September lag das Papier auf Jahressicht noch im Minus. Wer da zu früh abgeschrieben hatte, dürfte sich jetzt ärgern.

Und dann Alzchem: plus 5,6 Prozent am Dienstag, Jahresgewinn jetzt 172 Prozent. Der Treiber war 2025 vor allem die Fantasie rund um den Rüstungssektor. Alzchem produziert einen Grundstoff für Sprengstoffe – ein Satz, der nüchtern klingt, aber erklärt, warum Anleger bei dem Thema plötzlich hellhörig werden.

Entscheidend wird sein, was passiert, wenn der Alltag wieder losgeht und der Markt nicht mehr im Feiertagsmodus hängt. 24.771 Punkte als Oktober-Rekord sind nah genug, um Begehrlichkeiten zu wecken – aber auch nah genug, um zu zeigen: Ein Rekord ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Aufgabe.