Amazons Lager sollen mit Robotern immer smarter werden – und trotzdem setzt der Konzern jetzt ausgerechnet in der Robotik-Einheit den Rotstift an. Das passt zu einer Linie, die man kaum noch übersehen kann: Effizienz first, selbst wenn es im Maschinenraum der Zukunft knirscht.
Amazon hat am Dienstag bestätigt, dass Mitarbeiter in der Robotics-Organisation entlassen wurden. Wie viele genau, ließ der Konzern offen. Nach Angaben von zwei mit der Sache vertrauten Personen seien mindestens 100 White-Collar-Jobs betroffen. Zuvor war über die Einschnitte berichtet worden. Amazon begründete den Schritt damit, man überprüfe Organisationen regelmäßig, damit Teams „bestmöglich“ aufgestellt seien, um zu innovieren und für Kunden zu liefern.
Entlassungswellen statt Einzelfall
Wer glaubt, das sei nur eine kleine Delle, liegt daneben. Die Robotik-Kürzungen kommen nach einer großen Runde im Januar: Damals strich Amazon laut Bericht rund 16.000 Jobs und deutete an, dass weitere Entlassungen folgen könnten. Schon im Oktober hatte der Konzern etwa 14.000 White-Collar-Stellen gekappt. Seit Oktober habe Amazon insgesamt 30.000 Corporate-Jobs gestrichen – verbunden mit Effizienzgewinnen durch Künstliche Intelligenz (also Software, die Aufgaben schneller erledigt) und einer überarbeiteten Unternehmenskultur.
Dabei hilft ein Blick auf die Größenordnung, um das Ganze einzuordnen: Amazon beschäftigt insgesamt rund 1,5 Millionen Mitarbeiter, der Großteil arbeitet stündlich bezahlt – vor allem in den Logistikzentren. Die Kürzungen treffen primär die Büroebene; sie entsprechen fast 10% der White-Collar-Belegschaft. Für Anleger ist das ein klares Signal: Amazon drückt die Kostenbremse nicht halbherzig, sondern mit dem ganzen Fuß.
Robotik ja – aber nur, wenn sie liefert
Die betroffene Sparte entwickelt Roboter und Fördertechnik zur Automatisierung, vor allem in den Warenlagern. Trotzdem stoppte Amazon im Januar die Entwicklung eines Roboterarms namens „Blue Jay“, den das Unternehmen im Oktober bei einem Event gezeigt hatte. Das System setzte auf mehrere Greifarme, die mehrere Artikel auf einmal packen sollten – gedacht als Hilfe für Mitarbeiter in engen Arbeitsbereichen.
Und es bleibt nicht bei Robotik und Blue Jay: Über das vergangene Jahr hinweg habe Amazon auch in anderen Einheiten Stellen abgebaut, darunter Devices & Services, Books, Podcasts und Public Relations. Die spannende Frage ist jetzt nicht, ob Amazon weiter strafft – sondern wo als Nächstes die Axt ansetzt, wenn „Effizienz durch KI“ zur Daueransage wird.

