65 Prozent Aufschlag auf den Tisch zu legen, macht kein Konzern aus Langeweile. GSK will RAPT Therapeutics schlucken – und zeigt damit ziemlich deutlich, dass er beim Thema Allergien und Entzündungen Tempo machen will.
Der britische Pharmariese bietet 58,00 Dollar je RAPT-Aktie. Das liegt 65 Prozent über dem Schlusskurs von 35,10 Dollar vom Montag. Unterm Strich kostet der Deal 2,2 Milliarden Dollar. GSK will damit sein Geschäft mit Medikamenten gegen Atemwegs- und Entzündungskrankheiten sowie fürs Immunsystem ausbauen – also genau da, wo sich viel Geld verdienen lässt, wenn die Forschung liefert.
Der Köder heißt Ozureprubart
Im Mittelpunkt steht Ozureprubart, ein Wirkstoffkandidat gegen Lebensmittelallergien. „Experimentell“ heißt hier: Das Mittel ist noch nicht als fertiges Medikament im Markt, sondern wird noch entwickelt und getestet. GSK sichert sich die weltweiten Rechte – China ausgenommen. Heißt: Wenn daraus später ein Produkt wird, darf GSK es in fast allen wichtigen Märkten selbst vermarkten, aber nicht in China.
Nebenkriegsschauplatz ViiV – aber wichtig
GSK schob am selben Tag noch eine zweite Nachricht hinterher: Shionogi aus Japan stockt seine Beteiligung an ViiV Healthcare auf. ViiV ist ein Joint Venture (also eine gemeinsame Firma) für HIV-Therapien, an dem zuvor auch Pfizer beteiligt war – Pfizer steigt aus. GSK bleibt trotzdem klar am Steuer und hält weiter 78,3 Prozent.
Hinter dem Timing steckt Druck. Luke Miels hat zu Beginn des Jahres die Führung übernommen und muss Investoren überzeugen, dass die Pipeline – also die „Warteschlange“ an neuen Medikamenten – stark genug ist, um die Umsatzziele bis Ende des Jahrzehnts zu erreichen. Dazu kommt: Der Ablauf von Patenten für ein meistverkauftes HIV-Medikament steht als Problem im Raum. Patentauslauf heißt in der Praxis oft: Nachahmerprodukte drücken die Preise, und plötzlich fehlt ein dicker Umsatzpfeiler.
Unter der früheren Chefin Emma Walmsley hatte GSK das Consumer-Health-Geschäft als Haleon abgespalten und die Pipeline mit mehreren wichtigen Zukäufen gestärkt. Trotzdem bleiben viele Investoren skeptisch, was die kommenden Wirkstoffkandidaten taugen. Und auch bei Impfstoffen steht GSK unter Zugzwang, weil die Umsätze hinter den Erwartungen zurückblieben. Entscheidend wird jetzt, ob GSK aus dem teuren Einkauf schnell ein glaubwürdiges Wachstumsthema macht – und nicht nur eine hübsche Schlagzeile.

