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18. März 2026

200 Milliarden Dollar Einsatz, 600 Milliarden Dollar Ziel: Amazon dreht auf

Amazon AWS
Foto: depositphotos.com / nikkimeel

Aus 300 werden plötzlich 600 Milliarden Dollar: Andy Jassy zieht bei AWS die Messlatte so brutal nach oben, dass klar ist, worum es hier wirklich geht. Amazon will seine gewaltigen KI-Ausgaben nicht mehr nur erklären, sondern mit einer Zahl rechtfertigen, die selbst an der Wall Street nicht mal eben achselzuckend durchgeht.

Der Amazon-Chef traut der Cloud-Sparte AWS bis 2036 einen Jahresumsatz von 600 Milliarden Dollar zu. Das wäre doppelt so viel wie seine bisherige Langfrist-Prognose von 300 Milliarden Dollar. Der Treiber soll Künstliche Intelligenz sein. Jassy macht damit unmissverständlich klar: Für Amazon ist KI kein hübsches Zusatzgeschäft, sondern der Hebel für die nächste Größenordnung.

200 Milliarden Dollar Einsatz

Das Timing ist dabei alles andere als zufällig. Erst vor kurzem hatte Amazon mit geplanten Investitionsausgaben von rund 200 Milliarden Dollar für dieses Jahr viele Anleger aufgeschreckt. Die Reaktion an der Börse fiel entsprechend frostig aus. Jetzt schiebt Jassy die Begründung hinterher: Amazon gebe dieses Geld nicht blind aus, sondern weil die Nachfrage nach KI-Infrastruktur schon heute klar und massiv sichtbar sei. Anders gesagt: Der Konzern baut nicht ins Blaue hinein, sondern will liefern, bevor andere überhaupt genug Kapazität aufstellen können.

Das klingt nach Offensive, ist aber auch eine Wette mit Ansage. AWS setzte 2025 bereits 128,7 Milliarden Dollar um, ein Plus von 19 Prozent gegenüber 2024. Um daraus binnen rund zehn Jahren 600 Milliarden Dollar zu machen, müsste die Sparte über lange Zeit mit hoher Schlagzahl weiterwachsen. Genau da liegt der Haken. Groß zu sein ist das eine. Von einer ohnehin riesigen Basis aus noch einmal so zu beschleunigen, ist eine ganz andere Hausnummer.

Die Rechnung ist gewaltig

Jassy hat intern auch erklärt, warum Amazon dafür so tief in die Tasche greifen muss. Wer bei AWS schneller wachsen will, muss vorher Geld für Grundstücke, Strom, Gebäude, Chips, Server und Netzwerktechnik auf den Tisch legen. Und zwar Jahre bevor das Ganze richtig Geld abwirft. Das ist der Kern der Sache: Amazon baut die Maschine erst und kassiert später. Für Anleger ist das einerseits nachvollziehbar. Andererseits bleibt die Frage, ob der Konzern sich mit diesem Tempo nicht selbst unter gewaltigen Erwartungsdruck setzt.

Nebenbei zeigte das Mitarbeitertreffen noch, wie breit Amazon seine Zukunftsgeschichte inzwischen erzählt. Der Konzern rechnet noch in diesem Jahr mit der millionsten Drohnenlieferung. Das klingt spektakulär, ist aber eher ein Symbol dafür, dass Amazon weiter an alten Zukunftsversprechen festhält. Bei den stationären Formaten Fresh und Go fiel die Bilanz dagegen ziemlich ernüchternd aus: Sie standen zusammen für weniger als 1 Prozent des gesamten Lebensmittelumsatzes.

Jetzt muss AWS liefern

Die Aktie legte nach den Aussagen um rund 1,75 Prozent auf 215,44 Dollar zu. Das ist ein freundliches Signal, mehr aber noch nicht. Denn die eigentliche Frage ist nicht, ob sich eine ambitionierte Zahl gut anhört. Die eigentliche Frage lautet, ob AWS den KI-Hype am Ende in Umsätze verwandeln kann, die diese gigantische Investitionsschlacht auch wirklich tragen.