Wenn Carlyle bei Lukoil zugreift, geht es nicht um einen netten Deal unter Geschäftsleuten – sondern um ein Sanktionsgeschäft, bei dem am Ende Washington den Daumen hebt oder senkt. Und genau deshalb sucht der US-Finanzinvestor offenbar schon jetzt nach starken Mitspielern, die Geld und Gewicht mitbringen.
Insidern zufolge spricht Carlyle mit staatlich kontrollierten Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten über eine Partnerschaft bei der geplanten Übernahme internationaler Vermögenswerte von Lukoil. Konkret soll es um Beteiligungen am Portfolio gehen – also am ganzen Paket aus Auslandsgeschäft.
Abu Dhabi schaut hin – aber unterschrieben ist nichts
Drei mit dem Vorgang vertraute Personen nennen als Gesprächspartner Mubadala, XRG und IHC. Eine Einigung gebe es bislang nicht. Das passt ins Bild: Wer hier einsteigt, kauft nicht nur Öl und Anlagen, sondern auch ein dickes Bündel aus politischen und rechtlichen Risiken.
Ausgangspunkt ist eine vorläufige Vereinbarung, die Carlyle und Lukoil am Donnerstag öffentlich gemacht hatten. Danach soll ein breites Spektrum an Vermögenswerten an das US-Unternehmen übertragen werden – darunter Ölfelder im Irak und Raffinerien in Osteuropa. Klingt nach klassischem Energiegeschäft, ist aber wegen der Sanktionen alles andere als Routine.
20 Milliarden Dollar im Raum – und ein Haken namens OFAC
Einen Kaufpreis nennen die Unternehmen nicht. Ein Insider schätzt den Wert der Vermögenswerte auf rund 20 Milliarden Dollar, das sind etwa 17 Milliarden Euro. Die Emirate-Seite soll dabei vor allem an der Handelssparte Litasco interessiert sein – vereinfacht gesagt: an dem Teil, der Öl nicht nur fördert, sondern auch handelt, verschiebt und Geld daraus macht.
Der Knackpunkt bleibt die Genehmigung in den USA. Weil Lukoil mit Sanktionen belegt ist, müssen US-Behörden einer Transaktion zustimmen. Und der Zeitdruck ist offiziell: Das US-Finanzministerium hat Lukoil eine Frist bis zum 28. Februar gesetzt, um sein globales Portfolio zu veräußern.
Die Bedingungen sind dabei glasklar – und ziemlich hart: Der Verkaufserlös muss auf ein Konto unter US-Gerichtsbarkeit fließen, so die US-Sanktionsbehörde OFAC. Das Geld wird eingefroren, bis die Sanktionen gegen Lukoil aufgehoben werden. Wer also zahlt, sollte wissen: Der Betrag landet erst mal im Kühlschrank.
Zu Reaktionen: Carlyle lehnt eine Stellungnahme ab. Lukoil, Mubadala und XRG antworteten zunächst nicht auf Anfragen. IHC teilt mit, man werde alle wesentlichen Entwicklungen nach den geltenden Vorschriften veröffentlichen. Die spannende Frage bleibt damit offen: Wird aus den Gesprächen eine echte Emirate-Partnerschaft – oder scheitert das Ganze am Ende an Politik, Papierkram und einer Deadline, die schneller da ist, als vielen lieb sein kann?

