Wenn ein Konzern die Erwartungen nicht nur schlägt, sondern überrennt, wird’s interessant. TSMC, der weltgrößte Auftragsfertiger für Chips, profitiert gerade brutal vom KI-Boom – und liefert Zahlen, die selbst für diese ohnehin verwöhnte Branche ziemlich sportlich sind. Unterm Strich steht im vierten Quartal ein Rekordgewinn: Der Nettogewinn springt um 35 Prozent auf 505,7 Milliarden Taiwan-Dollar (rund 16 Milliarden US-Dollar).
Damit liegt TSMC klar über dem, was der Markt eingeplant hatte (478,4 Milliarden Taiwan-Dollar). Und auch die Einnahmen ziehen ordentlich an: Der Umsatz steigt von Oktober bis Dezember um 20,5 Prozent auf 1,046 Billionen Taiwan-Dollar (etwa 33,1 Milliarden US-Dollar). „Billion“ heißt hier nicht „Milliarde“, sondern wirklich die große Hausnummer – also eine Eins mit zwölf Nullen in Taiwan-Dollar.
Kunden betteln um Kapazitäten – TSMC dreht den Hahn auf
Das Spannende ist nicht nur die Vergangenheit, sondern das, was TSMC jetzt ankündigt. Für das erste Quartal stellt der Konzern einen Umsatzanstieg von bis zu 40 Prozent in Aussicht – auf 1,13 Billionen Taiwan-Dollar (rund 35,8 Milliarden US-Dollar). Die Kunden senden „starke Signale“ und fragen direkt Kapazitäten an. Übersetzt: Die wollen mehr Chips, als aktuell vom Band laufen können.
Und weil Nachfrage ohne Angebot nur Frust erzeugt, legt TSMC bei den Investitionen nach. Für 2026 plant der Konzern, die Ausgaben um bis zu 37 Prozent zu erhöhen – auf 1,77 Billionen Taiwan-Dollar (rund 56 Milliarden US-Dollar). „Investitionen“ heißt hier ganz schlicht: neue Maschinen, neue Produktionslinien, mehr Fabrikpower. Nicht sexy, aber genau das, was in einem Boom den Ton angibt.
Politik als Störfaktor – und TSMC baut trotzdem weiter
Das Ganze passiert allerdings nicht im luftleeren Raum. Über dem Markt hängt die Unsicherheit rund um die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump – inklusive Drohung mit Zöllen auf Halbleiter. Zölle sind im Kern eine Strafgebühr auf Importware: Sie sollen Produkte aus dem Ausland teurer machen und Firmen dazu bringen, im Inland zu produzieren. Für eine global verzweigte Branche wie Chips ist das Gift, weil Lieferketten nicht mal eben wie Lego umgesteckt werden.
TSMC reagiert darauf nicht mit Jammern, sondern mit einem ziemlich klaren Move: mehr USA. Im März vergangenen Jahres kündigte das Unternehmen eine Investition von 100 Milliarden US-Dollar an – zusätzlich zu den 65 Milliarden US-Dollar, die bereits für drei Werke in Arizona zugesagt waren. Und der Druck aus Washington dürfte eher steigen als sinken: US-Handelsminister Howard Lutnick sagte vergangene Woche, er erwarte weitere Investitionen des Unternehmens am US-Standort.
An der Börse spiegelt sich dieser Rückenwind ebenfalls: Die in Taipeh notierten TSMC-Aktien legten im vergangenen Jahr um 44 Prozent zu und sind in diesem Jahr bereits um rund neun Prozent gestiegen. Das ist kein kleiner Hüpfer, sondern ein Statement – allerdings eines, das an Bedingungen hängt: Der KI-Hunger muss hoch bleiben, und die Politik darf den Markt nicht mit neuen Regeln oder Zöllen zerlegen.
Jetzt wird’s für Anleger interessant: Zieht der Boom weiter durch – oder wird ausgerechnet die Handelspolitik zum Bremsklotz, während TSMC Milliarden in Beton und Maschinen versenkt? Die kommenden Quartale dürften zeigen, ob die Investitionswelle genau im richtigen Moment kommt – oder ob sie in ein Umfeld kracht, das plötzlich ganz anders spielt.

