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26. November 2025

150 Milliarden Dollar: Wie Adnoc sein Ölgeschäft umbaut – und Covestro damit verändert

ADNOC
Foto: depositphotos.com / Stock_Market_Visuals

150 Milliarden Dollar – mit diesem Betrag macht Adnoc klar, dass der Konzern beim Umbau seines Geschäfts ganz vorne mitspielen will. Die neue Covestro-Mutter aus Abu Dhabi dreht den Geldhahn für die Jahre 2026 bis 2030 weit auf und steckt eine riesige Summe in Betrieb, Wachstum und neue Projekte, um die weltweite Energienachfrage zu bedienen. Kurzum: Hier will ein klassischer Ölkonzern beweisen, dass er mehr kann als nur Rohöl verschiffen.

Kairo. Offiziell begründet Adnoc die geplanten Investitionen damit, den laufenden Betrieb abzusichern und das Wachstum zu beschleunigen. Hinter der nüchternen Formulierung steckt jedoch ein klarer Kurswechsel: Das Emirat will sich Schritt für Schritt aus der einseitigen Abhängigkeit von Ölexporten lösen. Wer bislang dachte, der Staatskonzern bleibe einfach beim alten Geschäftsmodell, dürfte sich bei dieser Summe verwundert die Augen reiben.

Adnoc stellt sich breiter auf

Ein zentraler Hebel dafür ist XRG, das eigene Investmentvehikel des Konzerns. Dessen Wert ist seit der Gründung im November vergangenen Jahres von rund 80 Milliarden Dollar auf 151 Milliarden Dollar hochgeschossen. Also mehr als eine Verdopplung in kurzer Zeit – für jeden verständlich: Da liegt richtig viel Kaufpower auf der hohen Kante.

XRG soll weltweit Übernahmeziele in drei Bereichen einsammeln: Chemie, Erdgas und erneuerbare Energien. Chemie heißt konkret: Firmen, die aus Rohstoffen höherwertige Produkte machen. Erdgas ist der klassische Energieträger, der im Strommarkt und in der Industrie gebraucht wird. Erneuerbare Energien stehen für alles, was wegführt vom klassischen Öl, etwa Solar- oder Windprojekte. So versucht das Emirat, sich ein breiteres Standbein aufzubauen und nicht mehr nur vom Ölpreis abhängig zu sein.

Covestro als Prestigekauf

Prominentestes Beispiel dieser Shoppingtour ist der Leverkusener Kunststoffhersteller Covestro. XRG hat den DAX-Konzern übernommen, der Kaufpreis liegt bei bis zu 16 Milliarden Euro – Schulden inklusive. Für Covestro heißt das: Statt eines börsennotierten, vergleichsweise unabhängigen Unternehmens ist der Hersteller nun Teil eines Staatskonzerns mit gewaltigem Finanzpolster.

Für Adnoc passt der Deal perfekt in die eigene Logik. Mit Covestro sichert sich der Konzern Zugang zu moderner Kunststoffchemie, Technologien und globalen Industriekunden. Aus Sicht des Emirats ist das ein weiterer Baustein in einer Wertschöpfungskette, die nicht beim Fördern von Öl endet, sondern bis tief in die Industrie hineinreicht. Die Botschaft: Adnoc will nicht mehr nur Rohstofflieferant sein, sondern ein breit aufgestellter Energiekonzern mit Industriearm.

Die Kehrseite: Je größer die Einkaufsliste, desto höher der Druck, dass sich die Zukäufe auch rechnen. 150 Milliarden Dollar an geplanten Investitionen sind kein Kleingeld, sondern ein klarer Anspruch, Weltspitze zu sein. Für den Standort Deutschland und die Chemiebranche insgesamt ist das ein Signal, das man ernst nehmen muss: Staatskonzerne aus den Golfstaaten mischen die Industrie neu auf – und picken sich gezielt die Filetstücke heraus.

Am Ende wird entscheidend sein, ob Adnoc aus Millioneninvestitionen und Übernahmen wie Covestro tatsächlich ein schlagkräftiges, diversifiziertes Energie- und Chemiegebilde formt – oder ob die vielen Milliarden nur Löcher stopfen. Die nächsten Jahre zeigen, ob aus der großen Ankündigung mehr wird als eine teure Wette auf die Zukunft nach dem Öl.