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28. Januar 2026

13 Milliarden Euro Aufträge in einem Quartal – und trotzdem wird gespart

ASML
Foto: Depositphotos.com / JHVEPhoto

Vor ein paar Monaten trat ASML noch auf die Bremse – jetzt gibt der Konzern plötzlich Gas. Der niederländische Chipausrüster, aktuell Europas wertvollster Börsenriese, rechnet für 2026 mit spürbar mehr Umsatz: mindestens plus vier Prozent, im besten Fall rund plus 20 Prozent.

Das ist eine Kehrtwende mit Ansage. Im Herbst hatte CEO Christophe Fouquet die Investoren noch auf ein Jahr ohne Wachstum eingestimmt. Nun schiebt ausgerechnet die Künstliche Intelligenz den Laden an: Kunden würden die Marktlage mittelfristig deutlich optimistischer sehen, sagt Fouquet – und die KI-getriebene Nachfrage sei robust und nachhaltig.

ASML sitzt dabei an einer Schaltstelle, die man nicht so einfach umgeht. Ohne die Maschinen aus Veldhoven lassen sich die modernsten KI-Chips von AMD und Nvidia nicht in Serie fertigen. Wer bei KI ganz vorne mitspielen will, kommt an ASML vorbei – so simpel ist das.

Trotzdem will Fouquet gleichzeitig sparen. Die Technologie- und IT-Organisationen sollen gestrafft werden, also vereinfacht gesagt: weniger Overhead, mehr Fokus, weniger Doppelstrukturen. Konkrete Details hält ASML noch zurück – sie sollen erst veröffentlicht werden, wenn die Beschäftigten informiert sind.

Auftragsregen im Schlussquartal

Dass ASML so selbstbewusst auftritt, kommt nicht aus dem Bauch heraus, sondern aus den Auftragsbüchern. Im vierten Quartal sammelte der Konzern Bestellungen über gut 13 Milliarden Euro ein. Das ist fast doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres – ein Brocken, der selbst bei einem Konzern dieser Größe auffällt.

Auch beim Tagesgeschäft lag ASML über den Erwartungen: Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um rund fünf Prozent auf gut 9,7 Milliarden Euro. Analysten hatten nur 9,5 Milliarden Euro auf dem Zettel. Der Gewinn zog parallel ebenfalls um rund fünf Prozent auf mehr als 2,8 Milliarden Euro an.

An der Börse war diese Hoffnung längst eingepreist – und zwar ziemlich aggressiv. In den vergangenen sechs Monaten legte die Aktie um rund 87 Prozent zu. ASML ist damit mit Abstand der wertvollste börsennotierte Konzern Europas. Das klingt nach Party – ist aber auch ein Hinweis, wie viel Perfektion der Markt inzwischen erwartet.

TSMC dreht den Geldhahn auf

Der wichtigste Grund, warum ASML gerade so gut dasteht, heißt TSMC. Der weltgrößte Auftragsfertiger der Branche investiert so viel wie selten zuvor: Mitte Januar kündigten die Taiwaner an, 2026 52 bis 56 Milliarden Dollar in neue Werke und Anlagen zu stecken. Zum Vergleich: 2025 waren es 40,9 Milliarden Dollar. Selbst Analysten lagen darunter und hatten eher 48 bis 52 Milliarden Dollar erwartet.

Bei Jefferies heißt es sinngemäß: TSMCs Investitionspläne sind ein Frühindikator – also ein frühes Warn- oder Hoffnungssignal dafür, wie stark das Geschäft in den kommenden Jahren laufen dürfte. Und TSMC wirkt dabei ziemlich überzeugt, dass die Nachfrage trägt.

TSMC liefert auch die passenden Zahlen dazu. Im Schlussquartal stieg der Gewinn um 35 Prozent auf 505,7 Milliarden Taiwan-Dollar (umgerechnet 13,7 Milliarden Euro). Der Umsatz kletterte um 20,5 Prozent auf 1,046 Billionen Taiwan-Dollar. Und TSMC-Chef C.C. Wei legt noch einen drauf: Zwischen 2024 und 2029 soll der Umsatz im Schnitt um 25 Prozent pro Jahr wachsen.

Für ASML ist das Rückenwind mit Wucht. Denn die Niederländer sind für TSMC der wichtigste Zulieferer – ohne ihre Anlagen laufen die modernsten Fertigungsschritte nicht. TSMC baut für Kunden wie Nvidia und AMD die fortschrittlichsten KI-Chips, und dafür braucht es die Spezialtechnik aus Europa.

Der Kernpunkt ist die sogenannte EUV-Lithografie. EUV kann man sich wie eine extrem feinauflösende Belichtungsmaschine vorstellen, die winzige Strukturen auf Chips bringt – in Dimensionen, die man eher mit Physikunterricht als mit Werkbank verbindet. Diese EUV-Systeme sind entscheidend für Chips mit kleinsten Strukturgrößen (unter sieben Nanometern) – und genau da spielt KI-Hardware ganz oben mit.

Ganz nebenbei melden auch andere Großkunden Rekorde: Micron und Samsung etwa haben zuletzt ebenfalls starke Ergebnisse präsentiert. Der Sog der KI erreicht also nicht nur einen Hersteller, sondern zieht durch die gesamte Lieferkette.

ASMLs Sonderstellung hat allerdings eine unangenehme Nebenwirkung: Politik mischt mit. Auf Druck der USA hat die niederländische Regierung den Export von ASML-Anlagen nach China schrittweise eingeschränkt. Für den Konzern ist das ein ständiges Ringen zwischen Technologie, Markt und Geopolitik.

Die entscheidende Frage bleibt damit offen: Zündet der KI-Boom als dauerhaftes Geschäft – oder wird ausgerechnet der politische Gegenwind zur nächsten harten Grenze für ASMLs Wachstum?