Wenn der oberste US-Medienaufseher schon vorab abwinkt, wird’s für Deal-Gegner schwer: FCC-Chef Brendan Carr hat durchblicken lassen, dass Paramounts 110-Milliarden-Dollar-Plan für Warner Bros eher nicht an der Behörde zerschellt.
Carr soll dabei auch die üblichen Kartell-Reflexe runtergekocht haben – inklusive der Sorge, eine Kombination aus CBS und CNN könne zu viel Macht bündeln. Sein Grundton: Der Wettbewerb sei „sehr robust“, also ziemlich lebendig und nicht gerade ein Monopol-Club.
Wettbewerb: Netflix als Vergleich – aber diesmal „drastisch anders“
Interessant ist, welchen Vergleich Carr selbst aufmacht. In Washington gebe es zwar Nervosität wegen der Machtkonzentration, die aus einem zuvor vereinbarten Deal von Warner Bros mit Netflix abgeleitet werde. Aber: Die Marktanteils-Frage bei einem möglichen Paramount-Kauf sei „drastisch anders“ – sprich: nicht dieselbe Nummer, nicht dieselbe Größenordnung, nicht dieselbe Baustelle.
Das ist mehr als nur ein Spruch am Rande. Damit deutet der Regulierer an, dass er weniger auf Schlagworte starrt, sondern auf harte Marktanteile. Und er sagte auch, man schaue sich regulatorische Änderungen an, um mehr Investitionen und mehr „Scale“ im Broadcast zu fördern. „Scale“ heißt in dem Kontext schlicht: mehr Größe, mehr Masse, mehr Effizienz durch größere Strukturen.
Die Finanzierung: 110 Milliarden Dollar, 31 Dollar je Aktie
Paramount hat den Deal in der vergangenen Woche vereinbart: 110 Milliarden Dollar, beziehungsweise 31 Dollar je Aktie. Ausgelöst wurde das Ganze auch dadurch, dass Netflix sein Angebot nicht weiter nach oben schrauben wollte.
Bezahlt werden soll der Brocken mit 47 Milliarden Dollar Eigenkapital von der Ellison-Familie und RedBird Capital Partners. Zusätzlich stehen 54 Milliarden Dollar an Schuldenzusagen von Bank of America, Citigroup und Apollo im Raum – also klassisch: ein dicker Eigenkapital-Block plus noch dickerer Fremdkapital-Hebel.
„Bona fide debt“: schnelle Prüfung statt großer Show
Ein Punkt, der schnell zur Stolperfalle werden kann, ist ausländische Verschuldung. Genau da setzte Carr einen Beruhigungshaken: Alles, was er dazu gesehen habe, könne unter den Regeln als „bona fide debt“ gelten. Übersetzt: als „echte“, sauber anerkannte Verschuldung, die regulatorisch nicht nach Trickkiste riecht. Das würde eine sehr schnelle, fast schon formale Prüfung ermöglichen.
Das wäre für Paramount ein echter Vorteil. Bei solchen Summen ist Zeit nicht nur Geld – Zeit ist Zins, Risiko und Verhandlungsmacht in einem. Je länger ein Verfahren dauert, desto mehr kann unterwegs kippen.
Politischer Gegenwind: Auswahl, Preise, Jobs
Geräuschlos wird die Nummer trotzdem nicht. Abgeordnete beider Parteien haben Bedenken angemeldet: Weniger Auswahl und höhere Preise für Verbraucher stehen als Risiko im Raum.
Und die Kino-Betreiber sind ebenfalls nervös. Sie fürchten Jobverluste und dass am Ende weniger Filme überhaupt noch in den Kinos landen. Entscheidend wird damit weniger, ob die Behörde den Deal grundsätzlich durchwinkt – sondern ob Auflagen oder Nebenkriegsschauplätze den Preis so verändern, dass aus dem 110-Milliarden-Plan am Ende ein ganz anderes Rechenblatt wird.

